Dienstag, 28. Mai 2013

Die Kartäuser-Zelle

Die Mönchszelle ist heiliger Boden und der Ort wo sich der Herr und sein Diener häufig miteinander unterhalten. Der Freund trifft hier den Freund und das Wort Gottes zieht die treue Seele an sich. Der Bräutigam verbindet sich mit seiner himmlischen Braut. So wird Himmlisches mit Irdischem, Göttliches mit dem Menschlichen vereint (vgl. Statuten 4.1).

In der Zelle ist alles drauf hingeordnet und durch Jahrhunderte erprobt, dass der Mönch die Einfachheit des Ortes, die ja seine Wüste ist, seine Einöde, ertragen kann und dass sie ihm zur Notwendigkeit wird für sein geistliches Leben, damit er darin dem Herrn begegnen kann. Was notwendig ist, das ist vorhanden. Mehr braucht es nicht.

So wie die Zelle als Ort der Wüste und Gottesbegegnung ist, so kann sie auch Ort des Kampfes sein. Denn die Einsamkeit, das Getrenntsein von Menschen und die Öde des Ortes können den Schwachen, Einsamen, Trägen, Hoffnungslosen, Hochmütigen, - den Sünder, der jeder Mensch und Mönch ist, verführen und in ihm Trugbilder hervorbringen. So wird die Zelle Ort der Begegnung mit dem Teufel, den Dämonen, der Auseinandersetzung mit der eigenen dunklen Seele, der eigenen Schwächen. Die Abgründe, die die Seele an sich am meisten erkennt, deuten auf die vermeintliche Gottferne hin, der sie sich ausgesetzt sieht. Doch Gottesferne ist nicht die Abwesenheit Gottes. Gottesferne kann auch der Anruf Gottes an die Seele sein, sie solle sich endlich frei machen vom alten Menschen, von allen Anhänglichheiten, denen sie sich immer wieder hingibt und ausliefert. Ja. auch die Mönchszelle kann zum Ort der Bequemlichkeit werden. Denn der Mönch könnte sich in ihr „einrichten“, als Rückzugsort, als Fluchtburg – vor Gott. Wehe dem!

Dem Wüstenvater Antonius, der den Kartäusern zum Vorbild taugt, zog sich in Gräbern und Krüften zurück. Aus Furcht vor den eigenen Leidenschaften. Er wollte den Sünden sterben, den eigenen Sünden. Antonius hatte keinerlei Bequemlichkeit, nicht einmal zu essen. In der Wüste war er darauf angewiesen, dass andere ihm zu essen gaben, ihm das Essen brachten. Antonius wollte mit Christus leben, wie heute die Kartäuser. Und so machte Antonius ein Grab und die Wüste zu seiner Behausung und  zu seiner Zelle. Doch auch hier entging Antonius nicht sich selber. Die Dämonen gingen ihm nach. Er entging den Dämonen nicht. Denn er konnte nicht sich selbst flüchten. Dämonen beschäftigen die Seele, sie attackieren auch körperlich. Dass Dämonen über Menschen herfallen kennen wir auch aus den Lebensbeschreibungen von Heiligen, etwa des heiligen Pfarrers von Ars oder vom heiligen Pater Pio.

Die Mönchszelle ist für den Kartäuser also auch der Ort des Kämpfens. Zum Trost soll er aber wissen, dass in diesem Leben eher solche Christen von Dämonen angegriffen werden, die ein ausgesprochen frommes Leben führen. Sie sind ideale Gegner für den Teufel und seine Helfershelfer, nicht die Lauen. So wappnen sich die Kartäuser mit dem Anzug eines strengen Lebens und nicht zu unrecht nennt man ihr Leben auch ein Büßerleben.

Und doch ist die Kartäuserszelle heiliger Boden und der Ort wo sich der Herr und sein Diener häufig miteinander unterhalten. Der Freund trifft hier den Freund und das Wort Gottes zieht die treue Seele an sich. Der Bräutigam verbindet sich mit seiner himmlischen Braut. So wird Himmlisches mit Irdischem, Göttliches mit dem Menschlichen vereint (vgl. Statuten 4.1).


Wie jedes Christenleben ist auch das Leben des Kartäusers angefochten. 
Auf dem Weg zu Gott ist das Vorwärtsschreiten nicht garantiert. 
Rückschritte und Abstürze sind jederzeit möglich. 
Also: bleibe in deiner Zelle und suche den Herrn. 
Tag und Nacht sollst du Ihn suchen.
 



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