Donnerstag, 10. Februar 2011

Gott schauen, 8

Die Rolle der Meditation
(b)
Nachdem man über die Herzensreinheit nachgedacht hat, 
meditiert man weiter, welcher Lohn ihr verheißen ist: 
wie herrlich und beseligend ist es, das ersehnte Antlitz Gottes zu schauen, 
das schöner ist als alle Gesichter der Menschen. 
Der Herr ist nicht mehr verunstaltet und erbärmlich, 
wie seine Mutter, die Synagoge, ihn zugerichtet hatte, 
sondern mit dem Gewand der Unsterblichkeit bekleidet 
und mit dem Diadem geschmückt, das sein Vater ihm 
am Tag seiner glorreichen Auferstehung verliehen hat, an jenem
„Tag, den der Herr gemacht hat“ (Ps 118,24). 
Und die Seele meditiert, wie diese Schau alles Verlangen stillen wird, 
wie der Prophet sagt:
„Ich will mich satt sehen an deiner Gestalt, wenn ich erwache“ (Ps 17,15).

Sieh, welch überströmender Wein aus der unscheinbaren Traube quillt, 
welch ein Feuer aus dem Funken auflodert! 
Wie hat sich das kleine Metallstück auf dem Amboss der Meditation 
ausgedehnt, nämlich der kurze Satz: 
„Selig, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen“. 
Und wie viel mehr würde es sich noch ausweiten, 
wenn es von einer geschickten Hand bearbeitet würde! 
Ja, ich sehe, dass der Brunnen tief ist, aber da ich noch ein unerfahrener Neuling bin, 
habe ich nur diese wenigen Tropfen aus ihm schöpfen können.

Von diesen Fackeln entzündet und von diesem Verlangen erfüllt, 
beginnt nun die Seele, nachdem das Alabastergefäß zerbrochen ist, 
dessen Wohlgeruch zu spüren. Sie verkostet ihn noch nicht, 
aber ahnt schon etwas von dem Duft.
Daraus schließt sie, welche Wonne es wäre, diese Reinheit zu besitzen, 
da schon die Meditation ihr so beglückend erschien. 
Aber was soll sie tun?

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