Dienstag, 15. Februar 2011

Gott schauen, 13

1.      Die Anzeichen für das Kommen der Gnade
(a)
Aber wie sollen wir erkennen, dass du so Großes an uns wirkst? 
Welches ist das Zeichen deiner Ankunft? 
Sind nicht Seufzer und Tränen die Vorboten und Zeugen 
dieses Trostes und dieser Freude? 
Wenn das so ist, dann ist es ein seltsamer Widerspruch, 
ein ungewöhnliches Anzeichen. 
Denn welche Beziehung besteht zwischen Trost und Seufzen, 
zwischen Freude und Tränen? 
Aber soll man überhaupt von Tränen sprechen und nicht vielmehr 
von dem Überfluss des inneren Taus, 
der von oben eingegossen wurde und sich nun verströmt? 
Ist es nicht die Abwaschung des äußeren Menschen 
als Zeichen der inneren Reinigung? 
Bei der Kindertaufe wird die Reinigung des inneren Menschen 
durch die äußere Abwaschung dargestellt und versinnbildet. 
Hier dagegen geht die innere Reinigung der äußeren voraus.
O glückselige Tränen, welche die inneren Makel abwaschen 
und die Brände löschen, die unsere Sünden entfacht haben!
„Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen!“ (Lk 6,21).
O Seele, erkenne an diesen Tränen deinen Bräutigam, 
umarme den Geliebten, berausche dich am Strom deiner Wonnen,
trinke dich satt an der tröstenden Brust 
und labe dich an ihrem Reichtum (vgl. Jes 66,11). 
Diese Seufzer und Tränen sind die wunderbaren Geschenke des Bräutigams;
in ihnen reicht er dir den gefüllten Becher und das Brot, das dein Herz stärkt, 
süßer als Honig und Honigseim.

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