Sonntag, 13. Februar 2011

Gott schauen, 11


1.      Die Rolle des Gebets

Die Seele begreift also, 
dass sie den ersehnten Genuss der Erkenntnis und der Erfahrung 
nicht aus eigener Kraft erlangen kann. 
Je höher sie sich erhebt, umso ferner erscheint ihr der Herr. 
Dann demütigt sie sich, nimmt ihre Zuflucht zum Gebet und ruft: 
Herr, nur die können dich schauen, die ein reines Herz haben. 
Ich suche in der Lesung und in der Meditation, 
was die wahre Herzensreinheit ist und wie man sie erlangen kann, 
damit ich dich wenigstens ein bisschen besser erkenne.
„Mein Herz denkt an dein Wort: Sucht mein Angesicht! 
Dein Angesicht, Herr, will ich suchen“ (Ps 27,8).
Lange habe ich im Herzen meditiert, und in meiner Meditation hat sich 
ein gewaltiges Feuer entzündet, die Sehnsucht, dich immer mehr zu erkennen. 
Wenn du mir das Brot der Heiligen Schrift reichst, 
erkenne ich dich schon an diesem Brotbrechen (vgl. Lk 24,35), 
doch je mehr ich dich kenne, umso mehr möchte ich dich erkennen,
nicht nur unter der äußeren Hülle des Buchstabens, 
sondern in der beseligenden Erfahrung. 
Nicht wegen meiner Verdienste erbitte ich diese Gabe, sondern 
aufgrund deiner Barmherzigkeit. 
Ich bekenne, dass ich sündig und unwürdig bin,
„aber selbst die Hündlein bekommen von den Brotresten, 
die vom Tisch ihrer Herren fallen“ (Mt 15,27). 
Gib mir, Herr, das Unterpfand des verheißenen Erbes,
gib mir wenigstens einen Tropfen des himmlischen Taus, 
um meinen Durst zu stillen, 
denn ich brenne vor Liebe.

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