Freitag, 7. Oktober 2011

Papst Benedikt in der Kartause, 15

Aus dem Tagebuch eines Besuchers der Kartause San Bruno

2 - Die  Nachtwachen, auch Matutin oder Vigilien, werden  in der Kartause zwischen 00.30 und 02.30 Uhr gesungen. In der Nacht von Samstag und Sonntag und vor Feiertagen werden sie drei Stunden dauern.
Jeden Tag gehen die Mönche zwischen 20 und 21Uhr ins Bett und sie stehen zum ersten Mal auf kurz nach Mitternacht auf.  Die Glocke ruft die Mönche zu allen Liturgien und Veranstaltungen, sie ist ihr ständiger Begleiter.

Heute Nacht war ich an der Matutin.
Ich leuchtete vor mir mit einer Taschenlampe über den Boden durch das Gästehaus bis in die Kirche. Im Großen Kreuzgang merke ich, wie tröpfchenweise einzelnen Mönche ankommen.

Es ist die Mitte der Nacht, die Menschen gehen schlafen. Hier ist die Mitte. Mit den Kapuzen über ihren Köpfen, helfen die Kartäuser zu lernen, wie man zu Gott findet. In den langen Pausen zwischen den Psalmgesängen spüre ich die Dunkelheit.  Nur noch ein kleines Licht brennt vor dem Tabernakel. Ich sehe die geheimnisvollen Schatten der Architektur und die Gestalten der Betenden. Gregorianische Psalmen und Passagen aus dem Alten und dem Neuen Testament, sowie Texte der Kirchenväter. Ich verstehe etwas, auf Italienisch und ein wenig Latein. Ich merkte mir einige Satzfetzen: Er zertrümmerte die Köpfe der Drachen auf dem Wasser - Die Söhne Jakobs und Josefs - Ecce somniator veniet - Wie Spreu, die der Wind zerstreut - alle Erstgeburt im Lande Ägypten, Tier oder Mensch – mit Honig aus dem Felsen - Sub tuum Präsidium confugimus.

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