Freitag, 27. Juli 2012

Goldener Brief 166


166. Lasst uns also anbeten und niederfallen und weinen vor dir, der du uns geschaffen hast (Ps 94,6), der du uns infolge unserer offenkundigen Sünde in deinem verborgenen Gericht dazu geschaffen hast, dass wir vielleicht nicht können, weil wir es nicht wirklich wollen, oder dass wir, weil wir nicht wollten, als wir konnten, dann nicht können, wenn wir wollen. Lasst uns wenigstens nach der Strafe Adams unser Brot essen, wenn wir es schon nicht im Schweiße unseres Angesichts (Gen 2,17-19) können, so doch im Schmerz unseres Herzens, in den Tränen des Schmerzes, wenn schon nicht im Schweiße der Arbeit. Diesen großen Verlust unserer Berufung möge die Liebe und die Hingabe eines gedemütigten Gewissens ersetzen. Unsere Tränen mögen unser Brot sein bei Tag und bei Nacht, solange man unserer Seele sagt: "Wo ist dein Gott?" (Ps 41,4) Das heißt: Solange unsere Seele auf der Pilgerfahrt fern vom Herrn, ihrem Gott, ist, fern vom Lichte seines Angesichtes.

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