Donnerstag, 13. September 2012

Über die Kartause Marianau 1974 (1 von 5)

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Einführende Gedanken zu:
Pater Gerhard Eberts
Das Leben ist kurz – man muß es nützen!
Besuch in Marienau, dem einzigen Kartäuserkloster Deutschlands
Mainzer Kirchenzeitung „Glaube und Leben“, 5. Mai 1974

Der nachstehende Bericht der Mainzer Kirchenzeitung „Glaube und Leben“ vom 5. Mai 1974, hat es zumindest erreicht, dass sich ein einziger Leser so stark angesprochen fühlte, dass er sein bisheriges Leben in Frage stellte. Der ehemalige Diözesanpriester verließ sein Bistum und trat in Marienau ein. Er wurde und blieb Kartäuser.

„Gott schreibt auch auf krummen Zeilen gerade“, sagt ein Sprichwort. Nicht wörtlicher könnte es zu diesem Bericht passen, den der zwischenzeitlich mächtige Mann der Kirchenpresse zu Beginn seiner journalistischen Laufbahn ablieferte. Was bewegt einen noch jungen, aufstrebenden Journalisten, über eine Lebensweise zu berichten, über die es eigentlich kaum etwas zu erzählen gibt? Es ist wohl der legitime Wunsch dabei, etwas außergewöhnliches entdecken zu wollen oder etwas so zu sehen, wie andere es bisher noch nicht gesehen haben. Vielleicht will er aber auch nur dem Gegenüber, hier dem Pater Prior, etwas entlocken, das noch unbekannt war. Aber immer wieder werden alle möglichen Klischees bedient. Und manchmal wird mit der Sprache der frühen siebziger Jahre das Traditionelle und Fromme, das Katholische, ins lächerliche gezogen oder mit scheinbar modernen Begriffen und Inhalten bewertet (Eucharistiefeier, Meditation), die dem Anliegen nicht gerecht werden können. Hier etwa auch die Fragestellung, ob man für etwas beten könne, das man nicht kenne; solches gewann in jenen Jahren immer mehr Verständnis in einer kirchenkritischen Leserschaft, die es mehr und mehr auch unter Glaubenstreuen gab. Fürbittendes Gebet etwa, Verzicht, Busse, Stellvertretung – Begriffe, die sich in jener Zeit aufzulösen schienen, auch und gerade in der katholischen Kirche in Deutschland, ja sogar in den Ordensgemeinschaften. So ist es kein Wunder, wenn neben der kurzen Beschreibung des Kartäuserlebens das nichtssagende und allgemeingültige Resümee gezogen wird: das Leben ist kurz-man muss es nützen.

Gerhard Eberts, der Gemeinschaft der Missionare von der Heiligen Familie (MSF) angehörig, war damals, nach seiner journalistischen Ausbildung, Chef der Ordens-Zeitschrift „Sendbote“. Einen Namen machte er sich bereits 1971 mit seinem Buch über Sex und Moral. Er war Mitarbeiter bei Weltbild und Chefredakteur beim Ulrichblatt in Augsburg (hier war er Gegenspieler des damaligen Bischofs Stimpfle und schaffte es damit, vom Spiegel belobigt zu werden). Eberts war Herausgeber vieler Bücher (z.B. „Das Konzil und was daraus wurde“) und er war zehn Jahre Dozent und Leiter des ifp (Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses). Gott sei Dank: Gott schreibt auch auf krummen Zeilen gerade.

Foto aus dem Zeitungsbericht
Bildtitel: 
 Chorgebet der Kartäuser von Marienau im Allgäu

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