Dienstag, 19. Juni 2012

Eine Stunde mit einem ehemaligen Kartäuser

Die Internetseite „machshell“ (http://machshell.de/karthaeuser-moench-bruder-interview/) veröffentlichte am 18. Juni 2012 ein Gespräch mit einem ehemaligen Kartäuser. Manfred, als Kartäuser-Bruder Johannes Maria, lebe 16 Jahre in der Kartause Marienau, in die er im Alter von zwanzig Jahren eingetreten ist.

Obgleich ich einige Aussagen aus katholischer Sicht nicht ohne weiteres nachvollziehen kann, so ist dieses Interview doch interessant und informativ; jedem zu empfehlen, der etwas über das Leben der Kartäuser und zum geistlichen Leben hören möchte. Sehr persönliche und ehrliche Ansichten und Berichte beeindrucken durch ihre Einfachheit und Ehrlichkeit.
Der Zuhörer erfährt auch ganz einfache Dinge, die man nirgends lesen kann: z. B. dass ein Bruder ohne weiteres beim Nachtoffizium vermisst werden kann und dass er dann vorsichtig in seiner Zelle erinnert wird. Ebenso gibt es auch tiefe Einblicke in das geistliche Tun und des sich beschenken lassen. Der heute 38 jährige ist in der Einsamkeit in eine tiefe Krise gearaten, hervorgerufen durch tiefgreifende sexuelle Probleme, die plötzlich den jungen Mönch stark beeindruckten. 

Glücklicherweise handelt es sich vordergründig um keinen rückwärtsgewandten ("die ersten zehn Jahre waren die glücklichsten meines Lebens") und besserwisserischen Rundumschlag auf eine unglückliche Vergangenheit. Dennoch gibt es einige Aussagen, die "im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils" beurteilt werden und schlichtweg eine irreguläre Beurteilung sind.

Die ca.56 Gesprächsminuten geben einen persönlichen und behutsamen Eindruck auf einen geistlichen Menschen frei. Doch bedauerlicherweise wird am Ende des Interviews doch deutlich, dass sich der ehemalige Kartäuser vom katholischen Glauben entfernt hat.
Hier zum Interview:


Kommentare:

  1. Irgendwie hat dieser Mensch das Ur-Vertrauen in seine Gottsuche verloren, bzw. seine Lehrer hatten es nie geschafft ihm das richtig zu vermitteln.

    Beten wir für ihn, denn jetzt legt er sich mit einer Welt an, welche er nicht kennt und nie durchschauen wird.

    Vielleicht macht er sich ja auch nochmal auf den Weg, und lässt sich von P. Franz Jalicz inspirieren. Er könnte mit seiner Gott-Suche fündig werden.

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    1. Gerne möchte ich als Autor der Webseite "Machshell.de" und Interviewer des ehemaligen Bruders Johannes Maria ein paar Worte dazu sagen. Wie im Interview deutlich wird, hat er keineswegs sein "Ur-Vertrauen" verloren. Er hat stattdessen seine spirituelle Suche auf andere Bereiche des Seins verlegt. Er ist ein glücklicher Mensch dem es gelingt seine tiefe Geistlichkeit aus den jahren des Rückzuges in sein jetztiges Leben zu integrieren. Yoga und Buddhismus steht für ihn nicht im Wiederspruch zu den Lehren Jesu. Ich bin (im Gegensatz zu dem ehemaligen Bruder) bekennender Katholik und möchte eine Brücke schlagen, denn das Ziel aller Religionen ist gleich.

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    2. Nein,@Machshell,das Ziel des Buddhismus und des Christentums sind essentiell verschieden.Das Ziel des Buddhismus ist das Nirwana,das Ende der Seelen Wanderung.Schon allein die Doktrin der Seelenwanderung ist mit dem Menschenbild des Christentums unvereinbar. Das Ziel des Christentums ist die ewige Liebes Vereinigung mit Gott, die nur durch die helfende Gnade Gottes erreicht werden kann. Der Buddhismus kennt im übrigen keinen Gott.

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  2. Es gibt viele solche tragische Geschichten. Irgendwann ist da etwas fehl gelaufen ... Ganz richtig, - verlorenes Vertrauen. Und ich sage, er hat den entscheidenden Schritt nach vorne nicht gemacht. Die Angst war zu groß. Warum ...

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    1. Diese ewigen Gelübde sind nicht mehr das Papier wert auf dem sie stehen, da es keine Konsequenzen gibt. Und mit der inneren Bürde scheinen sich die Beroffenen gut aufgestellt zu wissen.

      Hier ein Artikel aus Bereich NEWS der Abtei Königsmünster:

      P. Dr. Dieter Haite OSB wird nach seiner Auszeit ab dem 01. Juni bis zum 31.Oktober 2012 beurlaubt. Er wird nach 26jähriger Tätigkeit in der Cella Sankt Benedikt ab dem 1. November 2012 im Rahmen einer zeitlich befristeten Exklaustration von der Abtei Königsmünster für eine Aufgabe in der Diözese Hildesheim frei gestellt.

      Er wird nach 26jähriger Tätigkeit in der Cella Sankt Benedikt ab dem 1. November 2012 im Rahmen einer zeitlich befristeten Exklaustration von der Abtei Königsmünster für eine Aufgabe in der Diözese Hildesheim frei gestellt.

      Wir danken P. Dieter für sein segensreiches Wirken in Abtei und Cella und wünschen ihm für seinen weiteren Lebensweg alles Gute!

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  3. also, mir ist das ein Rätsel, wie man nach 18 Jahren Kartäuserleben auf solche Abwege geraten kann und, mehr oder weniger ALLES in Frage stellt.
    Sicher ist die Berufung in den Kartäuserorden ein Geschenk, aber fast wichtiger ist noch die Gabe, oder noch besser gesagt, die Gnade der Beständigkeit, sie dann durchzuhalten bis ans Ende. Dieser Johannes Maria braucht ganz dringend das Gebet.

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    1. Euer Gebet wird ihm sicher nicht schaden. Aber ich kann euch versichern dass er sehr glücklich auf seinem Weg voranschreitet, und sich sehr authentisch weiterhin dem Dienst an Gott widmet. Es hat sich die äussere Form sicher gewandelt, aber die Ausrichtung ist die Selbe. 1000 Wege führen nach Rom.

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  4. erst jetzt den Beitrag gelesen, ja so ist es halt, die Treue ist erst dann was wert, wenn die Gefühle erloschen sind, wenn man "wandert in finsterer Schlucht".
    Aber die moderne Kirche hält von Treue nichts, Hauptsache man fühlt sich wohl.
    Alle Berufung, ob Priester, Orden, Ehe muss, früher oder später, durch die Nacht hindurch.
    Ich frage mich, warum man davon nichts mehr wissen will.

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