Mittwoch, 2. Oktober 2013

Die Welt- und Gnadenordnung

Wer sich in solcher Gesinnung unter das Banner des Lichtes stellt, findet im unendlichen Gott das, was die Welt ihm nicht verheißen konnte, ohne zu lügen. Ihr Reich ist eng und begrenzt und oft freudlos. Es erstreckt sich nicht einmal bis dorthin, wo das Reich und der Reichtum der Seele anfängt, um sich dann bis ins Unendliche zu erheben. Es scheint, daß es heute nur mehr wenige gibt, die noch dem Einfluß jener Philosophie widerstehen können, die den Primat des Geistes nicht mehr anerkennt und glaubt, die Verteidigung der menschlichen Person hänge in erster Linie von den wirtschaftlichen Bedingungen ab. 
 
In Wirklichkeit zersetzt sich aber nicht die Persönlichkeit derer, die des materiellen Wohlstands entbehren, sondern jener, die sich weigern, dankbar ihren Platz in der lebendigen Welt- und Gnadenordnung einzunehmen. Es spielt keine Rolle, ob dieser Platz als hoch oder niedrig gilt, als groß oder klein. Diese Begriffe werden umgewertet, sobald die Gottesliebe mitspricht.

„Was der Welt niedrig und verächtlich erscheint, ja was ihr nichts gilt, hat Gott auserwählt, um das, was etwas gilt, zunichte zu machen“ (1 Kor 1, 28).

(vgl. Sendung der Stille, Kartäuserschriften für Christen von heute, 1957)



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