Montag, 28. Oktober 2013

Kein Anrecht

Es gibt nichts Heiliges im Leben der Seele, das nicht der Gefahr einer Entweihung ausgesetzt wäre.

Je höher man steht, desto tiefer kann man fallen. Doch anderseits gibt es auch nicht Profanes, das nicht geheiligt werden könnte. Das zeigt die Erfahrung der Heiligen, die auch die unsere werden soll.

Unter den Frommen findet man Menschen, die nach hohen Gebetsgnaden streben und meinen, sozusagen ein Anrecht auf innige Vereinigung mit Gott zu haben, weil sie die Gebote halten. Sie sind sich nicht bewußt, wie sehr sie sich dabei selber überschätzen. Denn gerade das ist ein Hindernis für den Empfang großer Gnaden, von denen man nur ein Trugbild kennt.

Durch vielfache Läuterungen müssen wir zuerst zur aufrichtigen Selbsterkenntnis geführt werden, daß wir keinerlei Verdienst besitzen und nichts sind, daß wir in jedem Augenblick völlig von der Barmherzigkeit Gottes abhängen.

„Wenn ihr alles getan habt, was man euch aufgetragen, sagt: wir sind unnütze Knechte, wir haben nur unsere Schuldigkeit getan“ (Lk 17, 10).

(vgl. Sendung der Stille, Kartäuserschriften für Christen von heute, 1957)



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